Sonntag, 25. April 2021

 

Ein kleiner Beitrag zum "Abchillen"




                                    (Thomas Quasthoff und die NDR-Bigband,
"Nice 'N' Easy")



...........eine ganz andere Seite des wunderbaren Baritons, doch ebenso 

sehr ansprechend...



Montag, 12. April 2021

 

Ein Wunder

 

An einem Samstagnachmittag im Frühsommer sah ich nach der Rückkehr vom Spaziergang einen kleinen Spatzen in der Hofeinfahrt liegen – das Köpfchen blutig und nur noch schwach atmend. Er war wohl aus dem Nest in der Dachrinne des Nachbarhauses gefallen.

Ich trug ihn in den Garten und versuchte, ihm ein wenig lauwarmes Wasser mit einem Teelöffel vorsichtig einzuflößen. Er trank. Daraufhin bot ich ihm eingeweichte zarte Haferflocken, ebenfalls lauwarm, an, doch diese wollte er nicht annehmen.

Ich erinnerte mich der begeisterten Erzählungen eines Nachbarn von den verschiedenen Vogelarten in seinem Garten und beschloss, ihn um Rat zu fragen. Den Spatzen setzte ich in eine kleine Blechschüssel, die ich, da es sehr warm draußen war, mit einer Bodendecke Wasser füllte, damit er trinken und sich erfrischen konnte.
Der Nachbar konnte mir nicht weiterhelfen, verwies mich jedoch an einen anderen Nachbarn, einen Hobby-Ornithologen. Dieser war leider nicht zu Hause.

Als ich heimgekehrt war, sah ich, dass sich der Zustand des Spatzen noch verschlechtert hatte. Durch meine Laufbewegung war er nass geworden und zitterte. Ich hüllte ihn in ein Handtuch und trocknete ihn behutsam ab. Dann rief ich beim Tierheim an. Man nannte mir die Namen zweier Frauen, die Fundtiere aufnehmen. Die eine davon bot mir an, sogleich mit dem Spatzen bei ihr vorbeizukommen.

Als ich eintraf, stand sie bereits vor ihrem Haus mit einer Volière, in der ein etwas größeres Vögelchen saß. Während sie den Spatzen zu ihm setzte, fing das größere Vögelchen an zu zwitschern, worauf der Spatz einen Flügelschlag machte. Dies war einer der glücklichsten Augenblicke meines bisherigen Lebens.

Die Frau beabsichtigte, eine Wärmflasche zu machen und sogleich mit dem Füttern einer Spezialnahrung zu beginnen. Wir vereinbarten, dass ich sie am nächsten Morgen anrufen würde.

In der Nacht wachte ich auf und fühlte mich schuldig, dass sich der Spatz verkühlt hatte.

Am Morgen zündete ich eine Kerze an und betete für ihn. Ich sprach auch zu ihm in Gedanken und sagte ihm, dass die Kerze sein Lebenslicht sei und er doch bitte leben solle.

Mit klopfendem Herzen rief ich die Frau an. Sie sagte mir ruhig und feierlich, dem Spatzen ginge es gut, sie habe ihn am Vorabend noch bis halb elf Uhr gefüttert, und nun sitze er schon wieder auf ihrer Schulter und bettle um Nahrung. Ich war sehr glücklich.

Zehn Tage später rief ich sie wieder an und sie sagte mir, es ginge ihm weiterhin gut, doch, verglichen mit den anderen Spatzen in ihrem Garten, sei er nur halb so groß, so dass sie ihn noch bei sich behalten müsse.

Wenige Wochen später rief sie mich an und sagte mir, sie habe ihn nun fliegen lassen.



Montag, 29. März 2021

                           Yury Revich
J.S. Bach, Orchestersuite no. 3 in D-Dur, "Air"
BWV 1068
(Name des Orchesters leider nicht angegeben)

 


Ein neuer Tag.


Eine weiße Leinwand, auf die Gott malt.


Laß' mich sehen, was Du siehst.


Laß' mich lieben, was Du liebst.




Sonntag, 28. Februar 2021

 



Frühling

 

Sieh‘ doch

wie neu erwacht

was schon verloren schien

wie sich ein neuer Zauber

über alles Leben legt

wie stumm Geglaubtes singt

und sich das Blatt zum Licht hin wendet

wie sich die Seele wiegt im neuen Kleid.

                                                                                             (aus meinem Gedichtband 'Unbetretnes Land', 
                                                                        deutscher lyrik verlag, Aachen, 2021)

                                                                               

     

        Mein Lebensstil ist puristisch, könnte man sagen.

Obwohl ich einen ausgeprägten Sinn für alles Schöne habe,

versuche ich, 
so reduziert wie nur möglich zu leben. In jeder Hinsicht.

Ich versuche, aus wenig viel zu machen.

Einen Blütenzweig im Garten zu schneiden, anstatt Blumen zu kaufen.

Mich zu freuen und dankbar zu sein für das, was ich habe.

Auch mal einen Mangel auszuhalten.

Oder einen Verzicht.

Das gibt mir ein Gefühl von Raum, Ordnung und Freiheit.

 

Indem ich mich für wenig entscheide, gewinnt das Einzelne an Bedeutung. 

Ich wähle es sehr bewußt, dadurch wird es zum Besonderen:

Das Buch, 

das Musikstück, 

                      das Seidentuch, das ich mir schon seit langem wünschte.                       



Zum Frühlingsbeginn höre ich gerade sehr gerne den dritten Satz (Schlusssatz)

aus dem

"Frühlingskonzert" von "Die vier Jahreszeiten" (Antonio Vivaldi).

Herr Vivaldi beschrieb diesen Satz als "Hirtentanz",

als Tanz von Nymphen und Schäfern,

und ich finde, er eignet sich wunderbar, 

um sich anmutig dazu zu bewegen, um zu tanzen. 


Nachfolgend das komplette Frühlingskonzert

in einer sehr lebendigen, sehr schönen Aufnahme.

Viel Freude beim Hören.





    
                                      
                                                                                       (Julia Fischer und das Puchheimer Jugendkammerorchester                                  Leitung: Peter Michielsen                                                 22.12.2018, Forum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck)
                                                                    

Dienstag, 9. Februar 2021



Schneeblüte

 

Feuchte Flöckchen

fallen still hernieder

 unentwegt

decken fraglos zu

ruhen sanft

 

Winterworte

wenige

Still-Stand


weißer Schlaf

friedvoll

traumlos

                                (aus meinem Gedichtband 'Andernorts',
                                            deutscher lyrik verlag, Aachen, 2019)