Sonntag, 18. September 2022




Frank Peter Zimmermann
Sonate für Violine solo No. 2 a-moll, BWV 1003 
(Johann Sebastian Bach)
(Proms 2012)

Bitte leise anhören, dann ist es noch schöner...


Sonntag, 28. August 2022

 


Mein Klavier





Es wurde vor mehr als hundert Jahren in Stuttgart von einer Firma

gebaut, die sich "Königlicher Hofinstrumentenbauer" nennen durfte.

Das Holz ist deutsche Eiche (Sommereiche), und die Ornamente darin

 sind handgeschnitzt. 

Der Stuhl aus demselben Holz wurde von meinem Urgroßvater eigens

für meine Großmutter getischlert. Trotz zweier Kissen ist er hart,

doch ein moderner Stuhl würde nicht zum Klavier passen.


Der Klang meines Klaviers ist warm und weich, ich finde, 

es ist ein „singender" Klang.


Mein erster Klavierstimmer mochte das Klavier nicht besonders.

Sein lapidarer Kommentar: „Wiederverkaufswert gleich null.

Kaufen Sie sich ein neues."

Mein jetziger Klavierstimmer, sein Chef, spielt selbst auf einem

alten Flügel und meinte: „Was für ein schönes Klavier" und

„Wenn man sich mit ihm befasst, kommt es einem entgegen." 

Er entlockt ihm die schönsten Klänge. (In dieser Hinsicht sind wir uns

 ähnlich, mein Klavier und ich
).

Ich fing erst mit 34 Jahren richtig mit dem Klavierspielen an

und hatte verhältnismäßig wenig Unterricht.

Wenn man es auf das übliche Intervall

von 1 Unterrichtsstunde/Woche umrechnet,

waren es insgesamt ca. 2 Jahre.

Doch ich hatte eine sehr gute Lehrerin,

die auch durch ihr Wesen mein Klavierspiel beeinflusste.

Und wenn man etwas mit Liebe und Hingabe tut,

gelingt einem so vieles. 


In den letzten Jahren eignete ich mir Vieles noch selbst an,

und inzwischen komponiere ich auch kleine Stücke,

was mir viel Freude macht.


Dieser Eintrag ist einem lieben Menschen gewidmet,

durch den ich die immense Bedeutung der Musik

- und insbesondere des Klavierspiels - für mein Leben

erst wiedererkannt habe.

 

Sonntag, 7. August 2022

Sonntag, 24. Juli 2022

 

"Die Wieder-Entdeckung der Langsamkeit"*

(* in Anlehnung an den Titel 
eines Romans von Sten Nadolny)



Wenn man etwas langsam tut, gelingt es einem meist.

Man ist konzentriert, sorgfältig, liebevoll.

Man möchte dem Gegenstand oder der Angelegenheit gerecht werden.


Leider gilt Langsamkeit mittlerweile eher als Manko denn als Stärke.

Kaum jemand möchte langsam sein oder für langsam gelten.


Doch: In der Ruhe liegt die Kraft.

Und: Alles braucht seine Zeit.


Was mit Bedacht entstanden ist,

ist meist wertvoller und nachhaltiger.



Sonntag, 10. Juli 2022

 

Das Karussell

Jardin du Luxembourg


Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .


Rainer Maria Rilke, Juni 1906, Paris